Wilhelm Conrad
(1822-1899)

Wer war Conrad?

Wilhelm Conrad (1822-1899) entstammte einer alten Berliner Kaufmannsfamilie. Sein Onkel Eduard Conrad war Mitbegründer und Geschäftsinhaber der „Berliner Handelsgesellschaft”, sein Vater Direktor der Hamburg-Berliner Eisenbahn-Gesellschaft und Stadtrat. So schien der berufliche Weg des begabten Wilhelm klar vorgezeichnet zu sein.

Er kam in die kaufmännische Lehre bei einer großen Drogen- und Farbenhandlung in Magdeburg und ging bald, nachdem er sie beendet hatte, nach Paris. Dort bildete er sich in einem Farbenwerk weiter, machte sich aber bald selbständig und begann in St. Ouen bei Paris aus kleinsten Anfängen heraus eine eigene chemische Fabrik aufzubauen. Sie entwickelte sich so gut, daß er nicht lange darauf eine Glashütte in Le Bourget, ebenfalls bei Paris, erwerben konnte. Doch seine Liebe zu Berlin war stärker als die zu Paris: als sein Onkel ihn bat, in die „Berliner Handelsgesellschaft” einzutreten, folgte er diesem Rufe (1856).

Vier Jahre später schied sein Onkel als Geschäftsinhaber aus, und er rückte, erst 38 Jahre alt, an dessen Stelle. Tatkräftig hat er dies bedeutende Bankinstitut geleitet. Besonders hat er sich hervorgetan bei der Finanzierung von Eisenbahnlinien, auch im Ausland. Für seine hervorragenden Leistungen wurden ihm hohe deutsche und russische Orden verliehen.

Wilhelm Conrad war Naturfreund und Wassersportler. Nun suchte er nach einer geeigneten Stätte bei Berlin, wo er während der warmen Jahreszeit am Wasser ruhig wohnen könnte. Er fand sie am Wannsee. Einige Male verbrachte er mit seiner Familie den Urlaub in der Gaststätte an der Friedrich-Wilhelm-Brücke.

Schließlich kaufte er 1863 den Gasthof, ließ ihn abreißen und statt seiner eine Villa als Sommersitz errichten (1870; Königstraße 4). Sie mußte 1970 einem modernen Appartementhaus Platz machen. – Zu dem Gasthaus hatten rd. 80 Hektar Wald gehört.


Conrad faßte weitblickend den Entschluß, auf diesem Gelände eine Villenkolonie zu schaffen. Das war sehr kühn gedacht, denn Berlin hörte damals bei Alt-Schöneberg auf – Steglitz, Lichterfelde und Zehlendorf waren kleine Ortschaften, Friedenau, Schlachtensee und Nikolassee existierten überhaupt noch nicht. Doch er war überzeugt, daß die herrliche Seenlandschaft noch manchen locken würde, sich hier anzusiedeln. Er ließ Straßen anlegen, das Land parzellieren, ein Elektrizitäts- und ein Wasserwerk errichten.

Als das Zeitalter der Industrialisierung begann, trieb es viele Berliner aus dem Zentrum an den Stadtrand. Zu diesem Zeitpunkt war die Gegend um das Dorf Stolpe noch weitgehend unbesiedelt. 1863 erwarb Wilhelm Conrad (1822-1899) der Naturfreund und erfolgreiche Bankier, der Direktor der Berliner Handelsgesellschaft, den Gasthof “Stimmiger Krug”. Durch Zukäufe erweiterte er seinen Landbesitz auf 320 Morgen Land. 1870 ließ Conrad die Gaststätte abreißen und an gleicher Stelle die Villa Alsen errichten. Diese Villa war sozusagen der Startschuss für die weitere Besiedlung der Kolonie.